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Material

OSB, Sperrholz oder Vollholz für Holzkisten?

Holzkisten können aus Schnittholz oder unter Verwendung von Holzwerkstoffplatten gebaut werden. Welche Eigenschaften die Materialien unterscheiden und welche Kriterien bei der Auswahl zählen.

Material und Bauweise gehören zusammen

Holzkisten werden aus Schnittholz, also Vollholzbrettern und Kanthölzern, oder unter Verwendung von Holzwerkstoffplatten gebaut. Im Kistenbau kommen als Plattenwerkstoffe vor allem OSB und Sperrholz in Frage, typischerweise für die Schalung von Wänden und Deckel. Welche Variante geeignet ist, hängt nicht vom Material allein ab, sondern von der gesamten Konstruktion, dem Packgut und den Einsatzbedingungen.

Dieser Artikel beschreibt die Eigenschaften der drei Materialien und die Kriterien für die Auswahl. Eine pauschale Empfehlung für ein Material gibt es nicht.

Vollholz

Vollholzkisten bestehen aus Schnittholz: Bretter bilden Boden, Wände und Deckel, Kanthölzer, Kufen und Leisten übernehmen tragende und aussteifende Aufgaben. Schnittholz lässt sich gut an das Packgut anpassen und für alle Baugruppen einer Kiste verwenden.

Die Eigenschaften hängen von Holzart, Sortierung und Feuchtegehalt ab. Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und gibt sie wieder ab; dabei ändern sich seine Abmessungen. Zwischen Brettern können Fugen entstehen oder sich verändern. Eine Brettschalung ist deshalb in der Regel nicht spaltenfrei. Bei Wänden aus Brettern sieht die Konstruktion häufig Diagonalen zur Aussteifung vor.

Für Verpackungen aus Vollholz im internationalen Warenverkehr können phytosanitäre Anforderungen gelten. Ob und welche Vorgaben im Einzelfall greifen, muss für das jeweilige Zielland geprüft werden.

OSB

OSB (Oriented Strand Board) ist ein Holzwerkstoff aus länglichen Spänen, die in mehreren Lagen verpresst werden. Die Späne sind lagenweise ausgerichtet, die Ausrichtung wechselt von Lage zu Lage. OSB wird als Platte eingesetzt, im Kistenbau vor allem als Schalung.

Für Verpackungen wird OSB verwendet, das gegen hohe Luftfeuchte beständig ist. Das GDV-Verpackungshandbuch nennt hierfür die Plattentypen OSB 3 und OSB 4 nach DIN EN 300. Die Plattenklasse ist damit ein wichtiges Auswahlkriterium.

OSB 3 und OSB 4 sind nicht automatisch dauerhaft wetterfest oder für jede Außenlagerung geeignet. Maßgeblich sind die Angaben zum konkreten Produkt und die tatsächlichen Lager- und Transportbedingungen. Das GDV-Handbuch zeigt eine OSB-Kiste, die für die Außenlagerung zusätzlich mit Folie abgedeckt ist.

Platten sind sehr schubsteif, Diagonalen in den Wänden sind daher nicht erforderlich. Die tragende Funktion übernimmt bei Plattenkisten jedoch ein ausreichend dimensionierter Innenrahmen. Gegenüber einer Schnittholzschalung ist der Widerstand gegen Anstoßen und Durchstoßen laut GDV geringer, bei OSB wegen der geringeren Elastizität besonders.

Sperrholz

Sperrholz besteht aus Furnierlagen, die miteinander verleimt werden. Die Faserrichtung benachbarter Lagen ist dabei in der Regel gegeneinander versetzt. Sperrholz wird wie OSB als Plattenwerkstoff eingesetzt.

Sperrholz ist nicht gleich Sperrholz. Holzart, Lagenaufbau, Qualität und vor allem die Verleimung unterscheiden sich je nach Produkt. Für die Feuchtebeständigkeit ist die Verleimung entscheidend: Das GDV-Verpackungshandbuch knüpft die Witterungsbeständigkeit an nassfest verleimtes Sperrholz.

Nicht jedes Sperrholz ist wasserfest. Welche Feuchtebeanspruchung eine Platte verträgt, ergibt sich aus den Angaben des Herstellers zur konkreten Platte.

Auch für Sperrholz gilt: Die Platten steifen die Wände aus, die tragende Funktion braucht einen ausreichend dimensionierten Rahmen.

Die Materialien im Vergleich

KriteriumVollholzOSBSperrholz
MaterialaufbauSchnittholz aus einem StückMehrlagig verpresste, ausgerichtete SpäneVerleimte Furnierlagen
Typische BauteileBretter, Kanthölzer, Kufen, LeistenPlatten für SchalungPlatten für Schalung
Konstruktive VerwendungAlle Baugruppen; Brettwände oft mit DiagonalenSchubsteife Wände ohne DiagonalenSchubsteife Wände ohne Diagonalen
Verhalten bei FeuchtigkeitAbhängig von Holzart und Holzfeuchte; Maßänderungen möglichAbhängig von der Plattenklasse; für Verpackungen OSB 3 oder 4Abhängig von der Verleimung; nassfeste Verleimung erforderlich
Spaltenfreiheit der WandFugen zwischen Brettern möglichSpaltenfreie FlächeSpaltenfreie Fläche
Abhängigkeit von der QualitätHolzart, Sortierung, FeuchtePlattenklasse, ProduktVerleimung, Lagenaufbau, Produkt
Tragender RahmenTeil der BrettkonstruktionAusreichend dimensionierter Innenrahmen nötigAusreichend dimensionierter Innenrahmen nötig
Einfluss auf das EigengewichtErgibt sich aus Bauteilvolumen und Dichte des konkreten Produkts

Die Tabelle enthält bewusst keine Festigkeitswerte, Preise oder Rangfolgen. Solche Angaben hängen vom konkreten Produkt ab und lassen sich nicht pauschal auf eine Kiste übertragen.

Material und Konstruktion gemeinsam betrachten

Eine Holzkiste besteht nicht zwingend aus einem einzigen Material. Bei Plattenkisten bilden OSB oder Sperrholz die Schalung, während Kufen, Kanthölzer, Leisten und Deckelhölzer aus Vollholz bestehen. Ob eine Kiste ihre Aufgabe erfüllt, hängt vom Zusammenspiel aller Bauteile, der Verbindungen und der auftretenden Belastungen ab. Ein Materialwechsel ändert deshalb meist auch die Anforderungen an die übrige Konstruktion.

Materialgewicht

Bei gleichem Materialvolumen bestimmt die Dichte die rechnerische Masse. Da sich die Dichte zwischen Produkten, Holzarten und Feuchtezuständen unterscheidet, gibt es keinen festen Wert, der für alle Platten oder Hölzer gilt. Außerdem unterscheiden sich die Bauweisen in ihren Bauteilen und Stärken, sodass auch das Volumen variiert. Wie das Eigengewicht aus Volumen und Dichte berechnet wird, zeigt der Artikel Holzkiste berechnen: Maße, Volumen und Gewicht.

Materialauswahl im A4-Konfigurator

Im A4-Konfigurator von Kistenstudio lassen sich Vollholz, OSB und Sperrholz als Materialvarianten auswählen. Bei OSB und Sperrholz bestehen die Leisten und Kanthölzer weiterhin aus Vollholz. Für jedes Material sind Abmessungen und Dichte einstellbar. So lassen sich Außenmaße, Stückliste und rechnerisches Eigengewicht der Varianten nebeneinander vergleichen.

Die Auswahl ist ein geometrischer Vergleich und eine rechnerische Gewichtsabschätzung. Sie ist keine technische Freigabe eines Materials für einen bestimmten Transportfall. Wie die passenden Innenmaße ermittelt werden, erklärt der Artikel Holzkiste richtig dimensionieren.

Fachquellen